Eine Hüpfburg ist noch kein Erlebnis – Was gute Veranstaltungen wirklich ausmachen?
Was eine Kinderveranstaltung über Verantwortung, gute Kommunikation und die Frage lehrt, was Menschen am Ende wirklich mitnehmen.
Ich war vor ein paar Tagen auf einer Veranstaltung für Kinder.
Auf den ersten Blick sah alles gut aus.
Die Veranstaltung war sichtbar.
Sie war ordentlich beworben.
Die Menschen waren da.
Und es gab auch einiges für die Kinder:
Drei aufblasbare Hüpfburgen standen auf dem Gelände.
Dazu eine Schminkstation.
Eigentlich keine schlechte Ausgangslage.
Kinder können hüpfen.
Kinder können sich schminken lassen.
Eltern können zuschauen.
Und trotzdem bin ich nach Hause gegangen und hatte das Gefühl:
Da fehlt etwas.
Nicht, weil die Hüpfburgen schlecht waren.
Nicht, weil die Schminkstation schlecht war.
Und schon gar nicht, weil die Menschen, die diese Veranstaltung organisiert haben, keine Arbeit hineingesteckt hätten.
Im Gegenteil.
Eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, kostet Zeit, Geld, Nerven und wahrscheinlich mehr Organisation, als du als Besucher überhaupt siehst.
Aber genau deshalb beschäftigt mich die Frage:
Was wollen wir eigentlich schaffen, wenn wir Menschen zu einem Erlebnis einladen?
Beschäftigung ist noch kein Erlebnis!
Ich glaube, wir verwechseln diese beiden Dinge ziemlich häufig.
Wir stellen etwas hin, dass Menschen beschäftigt, und nennen es Erlebnis.
Eine Hüpfburg.
Ein Tisch.
Eine Fotowand.
Ein Gewinnspiel.
Ein DJ.
Eine Hüpfburg.
Noch eine Hüpfburg.
Und vielleicht noch eine dritte, damit es nach richtig viel aussieht.
Aber ein Erlebnis entsteht nicht dadurch, dass möglichst viele Dinge nebeneinanderstehen.
Ein Erlebnis entsteht durch das, was zwischen diesen Dingen passiert.
Und genau das hat mir an diesem Tag gefehlt.
Es gab kaum Musik.
Keinen Tanz.
Keine richtige Animation.
Keine Spiele, bei denen Kinder miteinander etwas machen mussten.
Keine Situation, in der plötzlich zehn Kinder gemeinsam gelacht haben, weil sie zusammen eine Aufgabe lösen mussten.
Keine kleinen Momente, die aus fremden Kindern für eine Stunde eine Gruppe machen.
Die Kinder waren beschäftigt.
Aber sie waren nicht wirklich miteinander beschäftigt.
Und das ist ein gewaltiger Unterschied.
Stell dir einmal ein Kind vor,
das auf eine Veranstaltung kommt.
Es sieht die Hüpfburg.
Es rennt hin.
Es hüpft.
Es kommt wieder herunter.
Dann vielleicht zur nächsten.
Dann wird es geschminkt.
Dann steht es irgendwo.
Dann wartet es.
Dann geht es wieder nach Hause.
Das kann ein schöner Nachmittag sein.
Aber stell dir jetzt ein anderes Szenario vor.
Das gleiche Kind kommt an.
Musik läuft.
Jemand begrüßt die Kinder.
Es gibt eine kleine Aufgabe.
Vielleicht müssen alle gemeinsam einen Schatz finden.
Oder einen Tanz lernen.
Oder eine verrückte Bewegung nachmachen.
Vielleicht wird plötzlich aus zehn einzelnen Kindern eine kleine Mannschaft.
Einer ist mutiger.
Einer ist schneller.
Einer kann sich etwas besonders gut merken.
Einer bringt alle zum Lachen.
Und plötzlich passiert etwas, das man nicht kaufen kann:
Gemeinschaft.
Das Kind erinnert sich später nicht unbedingt daran, welche Hüpfburg die größte war.
Es erinnert sich vielleicht daran, dass es mit einem anderen Kind zusammen etwas geschafft hat.
Dass alle gelacht haben.
Dass Musik lief.
Dass jemand mitgemacht hat.
Dass es Teil von etwas war.
Das ist Erlebnis.
Verantwortung beginnt vor dem Event!
Und hier wird es für mich interessant.
Denn Verantwortung bedeutet für mich nicht, dass immer alles perfekt sein muss.
Das wäre unrealistisch.
Verantwortung bedeutet auch nicht, dass du jede Veranstaltung mit zehn Animateuren, einer Bühne und einem Millionenbudget ausstatten musst.
Verantwortung bedeutet für mich:
Ich frage mich vorher, was ich eigentlich erreichen möchte.
Wenn ich eine Kinderveranstaltung organisiere, dann sollte meine erste Frage vielleicht nicht lauten:
„Was können wir hinstellen?“
Sondern:
„Was sollen die Kinder fühlen, wenn sie nach Hause gehen?“
Das verändert alles.
Denn plötzlich geht es nicht mehr um drei Hüpfburgen.
Dann geht es um Freude.
Um Bewegung.
Um Begegnung.
Um Mut.
Um gemeinsames Lachen.
Um kleine Erfolgserlebnisse.
Um Erinnerungen.
Und plötzlich wird aus einer Veranstaltung ein Erlebnis.
Die gleiche Frage gilt übrigens für Unternehmen!
Und genau deshalb schreibe ich darüber.
Denn diese Geschichte hat mit Kindern eigentlich nur am Rande zu tun.
Sie passiert jeden Tag.
In Unternehmen.
Im Marketing.
Auf Webseiten.
Bei Events.
Bei Produkten.
Bei Social Media.
Wir überlegen ständig:
Was können wir anbieten?
Aber viel seltener fragen wir:
Was hat der andere davon?
Und genau da beginnt für mich gute Kommunikation.
Du kannst die schönste Website bauen.
Du kannst die teuerste Veranstaltung organisieren.
Du kannst ein hervorragendes Produkt entwickeln.
Du kannst 30 Posts im Monat veröffentlichen.
Aber wenn du nur darüber nachdenkst, was du selbst sagen möchtest, verpasst du möglicherweise den wichtigsten Menschen im Raum:
denjenigen, der es erleben soll.
Ein Erlebnis braucht eine Dramaturgie!
Beim Sport weiß ich das.
Wenn ich jemanden trainiere, kann ich ihm hundert Übungen zeigen.
Das bedeutet noch lange nicht, dass er besser wird.
Ich muss wissen:
Wo steht er?
Was kann er?
Was fehlt ihm?
Was braucht er als Nächstes?
Und vor allem:
Was soll am Ende anders sein als am Anfang?
Genau dasselbe gilt für eine Veranstaltung.
Und für einen Text.
Und für ein Produkt.
Und für eine Marke.
Der Mensch sollte nicht einfach nur durch etwas hindurchlaufen.
Er sollte etwas mitnehmen.
Eine Erkenntnis.
Ein Gefühl.
Eine Erinnerung.
Eine Entscheidung.
Vielleicht sogar eine kleine Veränderung.
Vielleicht sollten wir wieder mehr darüber nachdenken?
Ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der wir sehr gut darin geworden sind, Dinge zu produzieren.
Mehr Angebote.
Mehr Content.
Mehr Events.
Mehr Produkte.
Mehr Möglichkeiten.
Aber manchmal wäre weniger vielleicht sogar mehr.
Eine einzige richtig gute gemeinsame Aktion kann mehr bewirken als drei Hüpfburgen.
Ein ehrliches Gespräch kann mehr auslösen als zehn Werbeanzeigen.
Eine gute Geschichte bleibt länger im Kopf als zwanzig belanglose Posts.
Und ein Erlebnis entsteht nicht automatisch, nur weil etwas stattfindet.
Es braucht jemanden, der sich Gedanken darüber macht, was beim anderen passieren soll.
Das ist für mich Verantwortung.
Nicht alles besser wissen.
Nicht alles kritisieren.
Sondern sich vorher eine einfache Frage stellen:
„Was soll der Mensch am Ende davon haben?“
Und vielleicht ist genau das der Punkt?
Ich möchte die Veranstaltung gar nicht schlechtreden.
Dafür kenne ich viel zu wenig von der Arbeit dahinter.
Vielleicht waren die Rahmenbedingungen schwierig.
Vielleicht war das Budget begrenzt.
Vielleicht gab es Gründe, die ich als Besucher gar nicht sehen konnte.
Und genau deshalb geht es mir auch nicht um diese eine Veranstaltung.
Sie hat mich lediglich wieder an etwas erinnert, das mir immer wichtiger wird:
Menschen brauchen keine Ausrede, warum etwas nicht funktioniert. Sie brauchen einen Grund, warum es ihnen etwas bedeutet.
Das gilt für ein Kind auf einer Hüpfburg.
Für einen Kunden auf einer Website.
Für einen Zuschauer bei einem Event.
Für einen Leser eines Textes.
Und irgendwann vielleicht auch für uns selbst.
Denn am Ende ist die entscheidende Frage nicht:
„Was habe ich gemacht?“
Sondern:
„Was hat es beim anderen bewirkt?“
Vielleicht sollten wir genau damit wieder anfangen.
Mehr Verantwortung.
Weniger Ausreden.
Und vor allem:
Mehr Erlebnisse, die diesen Namen auch verdienen. 😉
