Irgendwann musst du aufhören zu lernen und anfangen anzuwenden.
Da liegt es. Das nächste Zertifikat.
Noch eines für die Sammlung. Sauber ausgedruckt, vielleicht sogar eingerahmt. Immerhin hast du dafür Zeit investiert, Geld bezahlt und einiges gelernt.
Und jetzt?
Ein neuer Kurs wäre interessant. Vielleicht sogar ein bisschen anspruchsvoller. Schließlich gibt es immer etwas, das du noch nicht weißt.
Also weitersuchen.
Ein weiteres Seminar. Ein Buch, das dir empfohlen wurde. Drei Videos von irgendeinem Experten, der dir erklärt, weshalb du bisher alles falsch gemacht hast.
Irgendwann besitzt du erstaunlich viel Wissen darüber, wie etwas funktioniert.
Nur funktioniert bei dir noch immer erstaunlich wenig davon.
Das ist der Moment, an dem Weiterbildung eine ziemlich unangenehme Frage aufwirft.
Lernst du noch, um besser zu werden? Oder lernst du bereits, damit du nichts verändern musst?
WISSEN IST EIN BEQUEMER ORT.
Auf einer Skipiste fällt der Unterschied zwischen Wissen und Können recht schnell auf.
Du kannst dir zwanzig Videos über Carven ansehen. Du kennst die Begriffe, weißt, wann du die Kante wechseln solltest, und kannst vermutlich sogar erklären, weshalb eine saubere Gewichtsverlagerung wichtig ist.
Dann stehst du auf dem Snowboard.
Die Piste ist frisch präpariert. Vor dir liegt der erste Schwung.
Und plötzlich interessiert sich dein Board herzlich wenig dafür, wie viele Videos du gestern gesehen hast.
Jetzt musst du fahren.
Vielleicht klappt es.
Vielleicht rutscht dir die Kante weg.
Vielleicht erkennst du, dass du etwas völlig anderes machst, als du dir beim Lernen vorgestellt hast.
Unangenehm?
Durchaus.
Aber genau dort beginnt der Teil, den kein Video für dich übernehmen kann.
Beim Tennis ist es ähnlich. Du kannst die Vorhand bis ins kleinste Detail verstehen. Griffhaltung, Treffpunkt, Beinarbeit, Rotation.
Nur steht auf der anderen Seite irgendwann ein Gegner, der den Ball dummerweise nicht dorthin spielt, wo du ihn gerne hättest.
Und schon wird aus deinem Wissen eine ziemlich praktische Angelegenheit.
NOCH EIN KURS KANN AUCH EIN ALIBI SEIN.
Damit wir uns richtig verstehen: Weiterbildung ist wichtig.
Gerade im Sport können fehlende Kenntnisse gefährlich werden. Wer beispielsweise ohne ausreichende Ausbildung ins freie Gelände geht, wird durch Mut allein nicht lawinensicher.
Es gibt Situationen, in denen du mehr lernen musst, bevor du verantwortlich handeln kannst.
Aber eben nicht immer.
Vielleicht möchtest du dich schon lange selbstständig machen. Dein Angebot steht im Grunde. Du weißt, wem du helfen könntest, und hast dich mit dem Markt beschäftigt.
Was fehlt?
Noch ein Marketingkurs.
Danach möchtest du die Website überarbeiten. Vielleicht vorher noch ein Seminar über Preisgestaltung besuchen.
Und weil die Welt sich ständig verändert, wäre ein Kurs über künstliche Intelligenz bestimmt auch nicht verkehrt.
Am Ende kannst du hervorragend erklären, wie Kundengewinnung funktioniert.
Nur hast du noch keinen einzigen Kunden angesprochen.
Das Problem liegt dann möglicherweise nicht mehr bei deinem Wissen.
Sondern bei dem, was passieren könnte, sobald du es anwendest.
Ein Kunde könnte Nein sagen.
Ein Tennisschlag könnte danebenfliegen.
Ein Projekt könnte scheitern.
Und plötzlich wäre sichtbar, was du tatsächlich kannst.
Solange du dich vorbereitest, bleibt diese unangenehme Überprüfung aus.
Das ist ausgesprochen praktisch.
Und manchmal verdammt teuer.
WEITERBILDUNG HAT DREI PREISE.
Der erste steht auf der Rechnung.
Der zweite steckt in der Zeit, die du investierst.
Der dritte wird gerne übersehen.
Es ist die Zeit, in der du dein vorhandenes Wissen nicht anwendest.
Während du deinen nächsten Kurs absolvierst, könntest du bereits Erfahrungen sammeln. Fehler entdecken. Rückmeldungen bekommen. Etwas verändern.
Vielleicht sogar feststellen, dass ein Teil deiner bisherigen Annahmen falsch war.
Auch das wäre Weiterbildung.
Nur eben ohne Teilnahmebestätigung.
Und mit der unangenehmen Nebenwirkung, dass du Verantwortung für das Ergebnis übernehmen musst.
Natürlich kann dir auch die Praxis zeigen, dass tatsächlich noch Wissen fehlt. Dann gehst du zurück, lernst gezielt nach und probierst es erneut.
Genau so entsteht Entwicklung.
Nicht durch die Menge deiner Zertifikate, sondern durch das Zusammenspiel von Lernen, Anwenden und Überprüfen.
WELCHES WISSEN BRAUCHST DU NICHT MEHR?
Diese Frage klingt zunächst etwas seltsam.
Wissen kann schließlich nie schaden.
Oder?
Vielleicht hast du inzwischen so viel davon gesammelt, dass du gar nicht mehr weißt, womit du anfangen sollst.
Du liest noch eine Meinung, vergleichst noch eine Methode und findest noch einen Experten, der alles ein bisschen anders sieht.
Irgendwann ist die Verwirrung größer als am Anfang.
Vielleicht solltest du deshalb heute nicht fragen, was du noch lernen könntest.
Sondern:
Was weißt du bereits, das du bisher nicht angewendet hast?
Welche Entscheidung schiebst du auf, obwohl du längst genügend Informationen besitzt?
Und was wäre der kleinste sinnvolle Versuch, mit dem du dein Wissen an der Wirklichkeit überprüfen könntest?
Nicht gleich das ganze Leben verändern.
Nicht ohne Vorbereitung irgendwelche Risiken eingehen.
Einfach dort anfangen, wo du fachlich vorbereitet bist und bisher trotzdem stehen geblieben bist.
Das Löwenbaby würde an dieser Stelle vermutlich seinen Kompass einpacken und auf die offene Tür zeigen.
Auf dem Schild steht schließlich nicht „Noch eine Masterclass“.
Dort steht:
MACHEN.
Und vielleicht ist das gerade genau die Weiterbildung, die dir noch fehlt.
Wenn du bei deinen eigenen Entscheidungen genauer hinschauen möchtest: Der 30-Tage-Klarheitskompass begleitet dich mit Fragen und konkreten Schritten vom Nachdenken ins Handeln. 😉
